Foodtrend im Selbstversuch: Vegane Ernährung

Vegane Ernährung Erfahrungen Titelbild

Die vegane Ernährung als Foodtrend zu bezeichnen, ist schon fast etwas vermessen. Inzwischen ist daraus weit mehr geworden als ein Trend. Dennoch kommt das Thema immer wieder durch neu veröffentlichte Bücher oder Filme ins Gespräch. Deshalb habe ich es einfach mal selbst ausprobiert und fasse hier zusammen, wie es mir dabei ergangen ist und warum ich das Projekt vorzeitig abbrechen musste.

Vor dem Start

Ja, wie kam es eigentlich dazu? Auslöser war in diesem Fall der Film „What the Health“ . Ein Film der grundsätzlich beschreibt, dass alle tierischen Produkte irgendwie nicht gesund sind. Ich finde den Film persönlich in seinen Ansätzen gut, aber am Ende, finde ich es teilweise sehr dünn argumentiert.

Einige Thesen aus dem Film waren mir allerdings schon vorher bekannt. Zum Beispiel, dass der Mensch nicht darauf ausgelegt ist, Fleisch zu essen. Warum das so ist und für welches Essen wir wirklich ausgelegt sind, das erklärt Dr. Neal Barnard in einem Ted-Talk sehr schön mit dem Dental-, Bunny- und dem Box-Test (ab Minute 11:00). Um es abzukürzen: Wir sind, seiner Erklärung nach, für eine pflanzliche Ernährung bestimmt.

Ich habe mir also gedacht: Warum auch nicht, ausprobieren kann ich es ja. Gesagt getan, habe ich mir das Ziel gesetzt vier Wochen vegan zu leben.

Die Anfangsphase

Begonnen habe ich damit, sämtliche tierischen Produkte wie Eier, Milch und Fleisch auszusortieren und an Freunde zu verschenken. Das war ein schneller und einfacher Schritt. Anschließend war ich einkaufen, um meinen Vorrat an pflanzlichen Lebensmitteln etwas aufzustocken. Es ist interessant bei manchen Produkten etwas genauer hinzusehen. Probiert es am besten selber mal aus, ihr werdet überrascht sein, in wie vielen Produkten ihr tierische Inhaltsstoffe findet, die dort eigentlich nicht hingehören.

Das Frühstück

Ich gehöre zu den Menschen die morgens meistens hungrig aufstehen. Daher ist für mich das Frühstück wahnsinnig wichtig. Da ich sonst generell Joghurt mit Vollkorn-Müsli gegessen habe, um auch bis zum Mittag ohne Hungerattake zu überstehen , musste ich mir jetzt eine entsprechende Alternative überlegen.

Ich entschied mich für Obstsalat. Ich schnitt also jeden Morgen verschiedenes Obst klein und  gab meistens noch irgendeine Art von Toppings (Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Chia-Samen, Haferflocken etc.) dazu. Geschmacklich top. Satt gemacht bis zum Mittag? Eher nein. Durch die Umstellung musste ich außerdem morgens auch gleich mal eine halbe Stunde mehr einplanen, um den Obstsalat zuzubereiten.

Einen positiven Effekt bemerkte ich schon bereits nach zwei Tagen: Ich fühlte mich morgens wacher und es fiel mir leichter, mich auf die Arbeit zu konzentrieren.

Das Mittagessen

Die ersten Herausforderungen kamen dann auf der Arbeit.

In der Mittagspause war es nicht mehr so leicht, einfach mit den Kollegen bei einem Lieferdienst zu bestellen. Besonders da die meisten Lieferdiensten ihre Salatsoßen mit Sahne machen. Das hieß also: Essen vorbereiten. Ich probierte verschiedene Dinge aus, darunter sämtliche Variationen an Salatenwie Couscous-, Nudel- und Blattsalate in sämtlichen Variationen (Die Rezepte, die mir gefallen haben, werden hier nach und nach folgen). Wenn ich abends gekocht habe, habe ich oft mehr gemacht, sodass ich am nächsten Tag etwas mit auf die Arbeit nehmen konnte.

Das Abendessen

Vegane Lebensmittel

Zum Abendessen gab es, je nach verfügbarer Zeit, entweder etwas selbst Gekochtes oder Brot. Gerade die Brotaufstriche haben mich überzeugt. Hier gibt es durchaus sehr leckere Alternativen und ich habe auch veganes Nutella probiert, das mir sogar besser schmeckt als das Original. Das hätte ich vorher nicht für möglich gehalten. Bei selbstgekochten Gerichten habe ich mich leichter getan, wenn ich mich an der asiatischen Küche orientiert habe. Hier wird ohnehin häufiger fleischlos gekocht und so findet man tolle Rezepte, die wirklich eine Geschmacksexplosion sein können.

Meine Erfahrungen

Gerade zu Beginn hat mir die ganze Sache echt Spaß gemacht. Fleisch hat mir kaum bis gar nicht in meiner Ernährung gefehlt. Ich wurde wieder motivierter, mehr selber zu kochen und hatte das Gefühl besser durch den Tag zu kommen.

Das ist alles schön und gut, jedoch will ich die negativen Dinge hier nicht verschweigen. Meiner Verdauung hat die ganze Geschichte nämlich gar nicht gefallen. Nach zwei Wochen musste ich das Experiment vorzeitig abbrechen, weil ich so Bauchschmerzen und Magenkrämpfe bekam, dass ich keinen Spaß mehr daran gefunden habe. Als ich wieder auf meine normale Ernährung umgestellt hatte, wurde das erheblich besser.

Was ich sehr interessant fand, war die Erfahrung festzustellen, in welchen Produkten tierische Produkte enthalten sind. Bei vielen Produkten erwartet man es gar nicht. Das ist eine spannende Erkenntnis und man wird durch die vegane Ernährung dazu gezwungen, sich stärker damit zu befassen.

Was mich aber bei den veganen Produkten stört, ist der oft hohe Zuckeranteil. Damit die Produkte schmecken, wird oft eine Menge an Zucker hinzugeführt. Also auch nicht so gesund wie man denkt.

Was mich außerdem stört ist die Aussage, der Mensch wäre grundsätzlich ein Pflanzenesser über die man öfter stößt, wenn man sich mit veganer Ernährung beschäftigt. Dass der Mensch grundsätzlich ein Pflanzenfresser ist mag ja sein, aber dass vor allem Langzeit-Veganer nicht ohne Nahrungsergänzungsmittel und Vitamin Pillen auskommen, reißt dann doch irgendwie eine Lücke in diese Theorie. Vegane Ernährung bleibt nach wie vor eine Mangelernährung.

Mein Fazit

Auch wenn das Experiment für mich nicht so glücklich gelaufen ist, so würde ich trotzdem allen empfehlen es für sich selber einmal auszuprobieren. Man gewinnt interessante Erkenntnisse und wird dazu gezwungen sich ein bisschen mehr mit seinem täglichen Essen auseinander zu setzen. Gerade für die Leute die jetzt meinen, sie könnten ohne Fleisch nicht leben, ist es sicher eine neue Erfahrung, bei der man aber auch lernen kann, dass man auch ohne Fleisch leckere Mahlzeiten kochen kann.

Ich lebe heute wieder „normal“, für mich war es nichts. Aber ich habe es ausprobiert und fühle mich für jede Diskussion mit einem überzeugten Veganer gewappnet.

 

 

//bennett

Ähnliche Artikel

Kötbullar mit Gin-Preiselbeer-Sauce Köttbullar in Gin-Preiselbeer-Sauce 9. Dezember 2016
Schokoladen-Pralinés 23. September 2016

Kommentieren